| | Michael
Radulescu stammt aus einer Musikerfamilie und wurde 1943 als Sohn eines
rumänischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Nach erstem
Musikunterricht im Elternhaus und nach ersten Kompositionsversuchen
beginnt er 1956 das Orgelstudium bei Victor Bickerich und 1957 das
Kompositionsstudium beim prominenten Reger - Schüler Mihail Jora.
Nach
dem Besuch der Sommerakademien "Mozarteum" in Salzburg 1964 und 1965
und der Bekanntschaft Carl Orffs und Thrasybulos Georgiades' setzt er
seine Studien an der Akademie (heute Universität) für Musik
und darstellende Kunst in Wien fort als Schüler Anton Heillers
(Orgel) und Hans Swarowskys (Dirigieren). Seit seinem Debüt
als Organist 1959 übt Radulescu eine rege Konzerttätigkeit
aus als Organist und seit 1983 auch als Dirigent, die ihn seither durch
Europa, Nordamerika, Australien, Japan und Korea gebracht hat.
Regelmäßig hält Radulescu Gastvorträge und
Meisterkurse in Europa und Übersee, deren Schwerpunkt die
Interpretation und Deutung des Werkes J.S. Bachs in seinem Bezug zu
unserer Gegenwart darstellt.
Seit 1968 unterrichtet Radulescu
Orgel an der Universität (vormals Hochschule) für Musik und
darstellende Kunst in Wien. Von 1971 bis 1990 leitete er den
alljährlichen Orgel-Meisterkurs im Rahmen der Internationalen
Meisterkurse im Fürstentum Liechtenstein und von 1977 bis 1987
betreute er die Internationale Süddeutsch-Österreichische
Orgelakademie in Innsbruck. Seit 1990 leitet Radulescu die
Internationale BACH - AKADEMIE (Orgel; Kantaten; Oratorien) in
Porrentruy, Schweiz. 2002, 2003 und 2004 leitete er dort auch das
Projekt der Interpretation, Erarbeitung und der vielbeachteten
öffentlichen Aufführung von L. van Beethovens Symphonien auf
historischen Instrumenten.
Als Komponist wurde Radulescu anfangs
entscheidend durch die frühe Auseinandersetzung mit der Musik
Hindemiths und Weberns geprägt und erhielt anschließend
entscheidende Impulse durch die Kompositionen Schönbergs, Boulez'
und Ligetis sowie durch die Klangwelt mittelalterlicher Musik, der
Werke Olivier Messiaens und Carl Orffs. Die Hinwendung zu
frühester Musikanschauung und das Einbeziehen ältester,
elementarer Kompositionstechniken und Formkonzeptionen zusammen mit
zeitgenössischen Spielpraktiken in seine Tonsprache geben dieser
ihre Ausprägung im Spannungsfeld zwischen dem Zeitempfinden
früher Epochen und jenem unserer Gegenwart, in der zeitlichen und
räumlichen Organisation des Tonmaterials und seiner Parameter, in
ihrem Bezug zur Sprache, zum Gestus, zur Bewegung.
Seit 1970
ist Radulescu als Juror bei internationalen Orgel- und
Kompositions-Wettbewerben sowie als Herausgeber alter und ältester
Orgelmusik ("Organum antiquum"/Früheste Orgelmusik, Werke von Paul
Hofhaymer, von Georg Muffat und von Nicolaus Bruhns) tätig. 1999
erschien im Druck die von ihm ergänzte und herausgegebene,
unvollständig überlieferte Ratswahlkantate BWV 193 "Ihr Tore
zu Zion" von J.S. Bach.
Das kompositorische Schaffen Michael
Radulescus umfaßt Chorwerke, Orgelmusik, Werke für Gesang
und Orgel, für Chor und Orchester, Orchester- und Ensemble-Musik
und fand Annerkennung durch Kompositionsaufträge bedeutender
Ensembles sowie durch zahlreiche Preisverleihungen und Auszeichnungen.
2003 fand im Grazer Dom die aufsehenerregende Uraufführung seiner
Passion („Leiden und Tod unsres Herrn und Heilands Jesus
Christus“) als Auftragswerk des Grazer Doms statt.
Die
Werke Michael Radulescus sowie die von ihm besorgten Ausgaben sind im
Musikverlag Ludwig Doblinger, Wien/München erschienen.
Compact-Disc-Einspielungen
Radulescus von Werken Bachs (deutsche harmonia mundi, Axiane/CH) und
Georg Muffats (Ars musici) wie auch eigener Werke (Ars musici, deutsche
harmonia mundi, amadeo, Camerata/Japan, ORF/A, Pheasant Records/DK,
Triton/F) liegen vor.
Im Februar 2004 schloß Michael
Radulescu für die Stiftung Axiane in Porrentruy/ Schweiz die ohne
jede technische Manipulation realisierte Einspielung des gesamten
Orgelwerks von J.S. Bach auf der berühmten Orgel von Jürgen
Ahrend (nach Gottfried Silbermann) in der ehemaligen Jesuitenkirche zu
Porrentruy ab.
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